In der alten Wohnung meines Bruders. Gras ist über den Fußboden gewachsen und ich, sowie einige andere Bekannte helfen, das Unkraut zu rupfen. Der modrige, staubige Geruch ist ganz genauso wie früher vorhanden, fällt mir auf. Dann ist es mein Kumpel, der wieder in sein altes Zuhause gezogen ist, weil seine Freundin mit ihm Schluß gemacht hat. Er hat wohl irgendetwas gesagt oder getan, was sie so aufbrachte, daß sie sich trennen wollte. Mich wundert das ein bißchen, hatte er doch beim letzten Telefonat noch erzählt, wie wenig zickig sie sei. Seltsam. Dann muß es etwas wirklich Schwerwiegendes gewesen sein, aber ich traue mich nicht, weiter nachzufragen. Seine Kumpel sind anwesend und wir bereiten uns auf einen Discobesuch vor, genauso wie früher. Ich freue mich auf diesen Abend, an dem alles genauso wird wie früher. Eine bißchen blöd finde ich es allerdings, daß es mir richtig gut geht, wenn es ihm wahrscheinlich eher schlecht geht, aber andererseits trage ich ja keine Schuld an den Umständen. Später auf einem sonnenüberfluteten Hügel schaue ich mit meinem Kumpel auf alte verfallene Backsteinhäuser hinunter und wir spinnen miteinander herum, was für tolle Traumhäuser man daraus machen könnte. Ganz so wie früher. Wir konnten schon immer herrlich zusammen architektonische Luftschlösser bauen. Ein schönes Gefühl von Verbundenheit und Freundschaft.
Am runden Tisch meines Elternhauses sind Verwandte und Bekannte versammelt. Meine Mutter steht dabei und kümmert sich um eine Rankpflanze im Topf, die ziemlich viele vertrocknete Blätter bekommen hat. Mit einer Schere in der Hand fragt sie, wieviel sie abschneiden soll, und kürzt so dirigiert die Ranken, bis nur noch gesunde Blätter an der Pflanze sind. Während dieses Vorgangs kommt mir blitzartig die scheinbar bedeutungsvolle Erkenntnis, daß Menschen wie Pflanzen sind und wie diese auf Licht reagieren. Einige brauchen viel Licht, manche Halbschatten und andere Schatten, um sich wohl zu fühlen und gesund zu bleiben. Doch warum zum Teufel sitze ich hier im Schatten, und die junge Frau mir gegenüber hat ein Platz direkt im einfallenden Sonnenlicht? Bin ich wirklich ein Schattengewächs? Oder bräuchte ich nicht eigentlich ebenfalls einen Fensterplatz?
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Solange es nicht
solch ein Fensterplatz ist....
Beim Entzünden des Streichholzes explodiert der Streichholzkopf zu einer relativ großen und runden, gleißend hellen Feuerkugel. Ich trage es vorsichtig zu einer Tischgesellschaft, einige Schritte entfernt, um ihnen Feuer zu geben. Wahrscheinlich sind noch ein paar Kerzen anzuzünden und zum Grillen wird es vielleicht auch gebraucht. Doch ehe ich den Tisch erreiche, hat das Feuer bereits meine Finger berührt und ich lasse es zu Boden fallen. Als ich es aufheben will, bemerke ich, daß gleich daneben ein anderes abgebranntes Streichholz liegt. Kurz abgelenkt und einen Blick auf die Tischgesellschaft werfend, stelle ich fest, daß diese bereits ein großes Feuer an ihrem Tisch haben. Sogar ein gefährlich großes und freies Feuer, das in hellen Flammen züngelt. Mir bleibt da nur noch, die beiden abgebrannten Streichhölzer in den Müll zu werfen.
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Meine Träume der letzten Zeit finde ich irgendwie fast widerlich klischeehaft. Ich frage mich, ob Klischees in Träumen auch Klischees im Denken anzeigen, oder ob meine Träume gerade diese Symbole und Metaphern verwenden, damit die Botschaft auch wirklich bei mir ankommt. Anders verstehe ich sie sonst vielleicht nicht.
Mein Vater im Talar ist gerade nach dem Gottesdienst aus der Kirche getreten und steht, der Gemeinde zugewandt, auf einem Weg. Als ich an ihm vorübergehe, hat er mir den Rücken zugekehrt und bemerkt mich nicht. Ich möchte auch nicht, daß er mich bemerkt, sinniere aber darüber, daß er, obwohl so schwer krank und pflegebedürftig gewesen, immernoch lebt und sogar wieder arbeitet, während meine Mutter, die nie so schwer erkrankt war, inzwischen tot ist. Wie seltsam.
Irgendwann beschließe ich, daß ich mit dem Sterben beginnen sollte. Die Idee dazu ist mir bei dem Anblick eines prächtigen Doppelgrabes gekommen, welches aus zwei übereinandergezimmerten Särgen besteht, die in Pastellfarben bunt bemalt sind. Im oberen Sarg liegt bereits eine einbalsamierte, mir unbekannte Frauenleiche, die aber bisher über einige Jahre hinweg noch nicht beerdigt wurde, weil ein "Bewohner" für den unteren Sarg fehlte. Dieser möchte ich nun werden. Dazu beginne ich mit diversen Vorbereitungen. Wie bei ägyptischen Mumien gehören auch Schmuckbeigaben dazu. Diese bestehen unter anderem aus einer wuchtigen eisernen Halskette mit strahlenförmig angeordneten Gliedern, die solch ein Gewicht hat, daß sie meinen gesamten Oberkörper in eine gebeugte Haltung nach vorne zieht. Nachdem ich diese Kette mit einigen Schwierigkeiten umgehängt habe, lege ich mich auf eine Bahre. Am Fußende steht eine ältere Frau (die Onkologin?) und beginnt mir die Füße zu massieren. Dies soll der Entspannung dienen, da ich aber kitzlig bin, zappel ich erst etwas herum, bevor ich endlich wirklich entspannen und die Massage zulassen kann. Doch kaum ist das geschehen, bricht der Frau beim Massieren ein Fingernagel ab und sie hört auf. Jetzt liege ich seitlich auf der Bahre und wünsche mir A. herbei, damit er mich beim Sterben begleitet. Kaum habe ich das gedacht, spüre ich seine Berührung an meinem Rücken, wo er sich neben mich auf die Laken gesetzt hat. Ich wage nicht, mich umzudrehen, aus Furcht, ich könnte ihn damit wie einen Traum vertreiben.
In mehreren Räumen haben sich Kollegen, Bekannte und Verwandte zusammengefunden, um zu feiern und zu tanzen. Ich tanze mit mehreren Männern. In einen von ihnen bin ich verliebt, die anderen sind seine Brüder und/oder Kumpel. Danach sitze ich in einer Runde von Kolleginnen, unter ihnen M., die ebenfalls Brustkrebs hatte. Ihre Brust wurde amputiert und sie sagt, daß sie auf der Suche nach einem Arzt für den Brustaufbau sei. Wir unterhalten uns über dieses Thema und irgendwann erzähle ich ihr auch von meiner Studienkollegin, die gleich nach der Brustkrebsdiagnose gestorben ist. Dabei ist sie kurz vorher noch im Urlaub gewesen, sehr mysteriös das Ganze. Tage später, in den selben Räumlichkeiten, sind wieder alle versammelt. In einem der Zimmer wurden Verkaufsstände aufgebaut. Diese will ich aufsuchen und setze mich zwischendurch im Menschengemenge, weil vor dem Verkaufstand eine ganze Schlange von Leuten steht. Jemand umfaßt mich von hinten und beugt sich zu mir hinunter. Es ist mein Herzensmann. Mit Tränen in den Augen fragt er mich, ob ich seine Nachricht nicht bekommen hätte. Ich verneine, bei mir ist keine Nachricht angekommen. Traurig murmelt er, daß er dann seinem Bruder/Kumpel wohl nicht trauen kann, denn dieser sollte eine Nachricht übermitteln. Zum Glück hat er mich selbst noch einmal angesprochen und mich gefragt, denke ich. Er geht wieder, doch bald darauf schlingen sich die nächsten Arme um meinen Hals. Es sind die vom Bruder oder Freund und es scheint mir, daß er ebenfalls Interesse an mir hat. Er beginnt zu erzählen, daß mich der andere täuschen will und es nicht ernst mit mir meint, deshalb habe er mich schützen wollen und mir die Nachricht nicht überbracht. Ich kann das einfach nicht glauben - sollten die Tränen gespielt gewesen sein? Mir fallen all meine vergangenen Liebesbeziehungen ein, die dadurch entzweit wurden, daß sich Kumpel als Rivalen eingemischt und Mißtrauen gesät haben. Soweit will ich es diesmal nicht kommen lassen. Ich werde es einfach nicht glauben und kann es auch gar nicht glauben, dazu fühle ich zuviel von seiner Liebe. Die Leute im Verkaufsraum haben alles mitbekommen und unsere Liebesbeziehung bereits seit dem Tanzfest aufmerksam und gönnerhaft gerührt beobachtet. Als ich mich anstelle, sagen mir viele aus der Schlange: "Der linkt dich nur!" Die Frage ist wer - mein Herzensmann oder der Bruder/Kumpel? Ich beschließe ganz einfach, es auf den letzteren zu beziehen und antworte nichts darauf. Als ich an der Reihe bin, ist die Verkäuferin äußerst liebeswürdig, redet wohlwollend über unsere Verliebtheit und macht mir nur deshalb, weil sie davon so warm ergriffen ist, einige Zugaben und Geschenke, wie eine Schüssel voller Kekse mit Zuckerstreuseln. Außerdem schlägt sie mir vor, ein neues Nachthemdchen zu kaufen und zeigt mir gleich ein weißes, welches durchgehend durchsichtig ist, nur an den Kanten dicker abgesteppt und mit kleinen weißen Streublümchen in großzügiger Verteilung dekoriert. Da kann ich auch gleich nichts anziehen. Mich interessiert deshalb mehr ein ähnliches Nachthemdchen mit gleichem Schnitt, aber mit großen aufgesetzen, orientalisch anmutenden Applikationen in Dunkelrot und Türkis, die nur einige schmale durchsichtige Streifen lassen. Ich beschließe es zu kaufen und stelle fest, daß es 32 Euro kostet. 32 Euro für ein Teil, das ich wahrscheinlich kaum tragen werde, aber egal, die großzügige Stimmung der Leute hat mich angesteckt und einen Rückzieher will ich jetzt nicht mehr machen.
In meinem ehemaligen Kinderzimmer sind die Fenster schräg nach hinten gelegt, als wären sie Dachfenster, und unvermutet landet ein blaubunt schillernder Pfau darauf. Na sowas, wo kommt der denn her? Ist er irgendwo ausgebüxt? Auch später, als ich mich auf dem Hof befinde, ist er noch da und springt in den Bäumen umher. Ich wundere mich über die Leichtigkeit, mit der er das tut, obwohl er doch vom Körperbau ziemlich plump wirkt.
Zufällig treffe ich eine Bekannte, mit der ich zusammen in einen Kunst- und Fotografiezirkel gegangen bin. Sie besucht den Zirkel immer noch und erzählt, daß demnächst eine gemeinsame Reise nach Brüssel geplant ist, um dort zu zeichnen und zu fotografieren. Ohhhh, da möchte ich auch mit - denke ich bei mir und frage mich, ob es wohl auffällt, wenn ich mich unaufällig in den Zirkel schleiche. Jetzt hätte ich schließlich Zeit und es ist keine zusätzliche Belastung wie sonst, der Grund, warum ich irgendwann nicht mehr mitgemacht habe. Kurz entschlossen setze ich mich einfach in den Raum, fast dem Zirkelleiter gegenüber. Es ist mein ehemaliger Kunsterziehungslehrer und er bemerkt durchaus, daß ich wieder da bin und so tue, als sei nichts gewesen. Er sagt ebenfalls nichts dazu und akzeptiert es stillschweigend, weil er mich mag und es gut findet, daß ich erneut dazugestoßen bin. Wenig später sitzen wir schon alle im Zug nach Brüssel und ich unterhalte mich mit einigen Leuten, die ich noch nicht kenne.
Allein gehe ich durch eine Art Schrebergartensiedlung. Was ich dort tue ist unklar, vielleicht habe ich mich verlaufen und weiß es selbst nicht. Ich treffe einen Asiaten in alten und schmuddeligen Stonewashjeans-Klamotten. Er wohnt hier sehr genügsam in einem Gartenschuppen, wovon er lebt, ist nicht klar. Wahrscheinlich teils von Selbstversorgung und teils von einigen krummen Geschäften. Er läd mich zu sich ein und da er mir mit irgendetwas einen Gefallen getan hat, frage ich, ob ich etwas für ihn tun kann. Er wünscht sich, daß ich ebenfalls Stonewashjeans anziehe und über Nacht bleibe, nicht bei ihm, aber zumindest in der Siedlung. Also das mit den Jeans muß ich mir noch überlegen, dazu habe ich überhaupt keine Lust, aber in der Siedlung übernachten - warum nicht? Ich weiß eigentlich sowieso nicht so genau, wohin ich will. Man zeigt mir eine Matratze, die mitten auf einer Kreuzung von zwei Gartenwegen liegt. Auf dem kleinen Platz steht auch eine Bank, an der sich anscheinend Jugendliche aus der Siedlung versammelt haben. Sie haben einen kleines schwarzes Lämmchen bei sich. Als ich es mir auf der Matratze bequem gemacht habe, von den Jugendlichen gar nicht weiter beachtet, sie sind es gewohnt, daß hier Leute unter freiem Himmel übernachten, reißt sich das schwarze Lämmchen los, rennt auf mich zu und springt übermütig über die Matratze drüberweg, dreht um und springt noch einmal, bevor es auf die Jugendlichen hört, die es rufen. Putzig!
Umherwandernd in der alten elterlichen Wohnung, erlebe ich auf einmal einen Moment völliger Klarheit und Erkenntnis. Es ist nicht mehr auszumachen, was dazu geführt hat, aber sofort bin ich mir des Traumes bewußt und weiß, daß ich nun den Traum lenken und alles tun kann, was ich möchte. Spontan fällt mir das Fliegen ein. Ich bin lange nicht mehr geflogen. Kaum habe ich das gedacht, schwebe ich auch schon an die Decke. Die unterstützenden Ruderbewegungen mit den Armen brauche ich fast gar nicht. Hui, das fühlt sich gut an. Unter der Decke entlang fliege ich etwas umher, bis mich plötzlich eine Sturmböe erfaßt und an die Wand schleudert. Dagegen anzufliegen ist fast unmöglich. Wo kommt der Wind eigentlich her? Irgendjemand muß die Türen aufgelassen haben. Es gelingt mir, gegen den Windstrom in das Wohnzimmer zu fliegen, ein Durchgangszimmer mit zwei Türen. Beide stehen offen. Wenn ich die hintere schließe, dürften die heftigen Zugwinde ausgesperrt sein. Als das erledigt ist, bin ich wieder auf dem Boden angelangt und gehe zurück in die Diele. Die Schlafzimmertür steht offen und ein rotes Kleid hängt seitlich auf einem Bügel daran. Ich schaue hinein und rufe nach meiner Mutter, aber es antwortet niemand. Also ist sie wohl doch nicht anwesend. Inzwischen überlege ich, was ich weiter mit diesem luziden Traum anfange. Ich könnte telefonieren und A. anrufen. Zwar weiß ich nicht, wo ich hier in der Wohnung ein Telefon finde, aber es müßte ja bei voller Kontrolle auch einfach herbeizuzaubern sein. Auf dem Fußboden der Diele sitzend, konzentriere ich mich auf ein Telefon. Trotzdem will keines erscheinen. Dann erinnere ich mich an die Technik des Imaginierens. Ich stelle mir vor, ich hätte ein Telefon, wähle auf ihm eine Nummer und spreche irgendetwas in den unsichtbaren Hörer. Jetzt steht tatsächlich ein schwarzes Telefon vor mir. Doch ich habe vergessen, was ich eigentlich damit wollte und rede weiter laut mit mir selbst. Da kommt aus der Schlafzimmertür eine Gestalt mit einer schwarzen Till-Eulenspiegel-Haube heraus, welche nur einen kleinen runden Ausschnitt für das Gesicht freiläßt. Ich brauche etwas länger, um sie zu erkennen. Es ist eine Kollegin, in Bürokreisen liebevoll "Hexe" genannt, die munter auf mich zuspringt und mich umarmt. Sofort schnattern wir beide durcheinander, wie es uns geht und wo wir herkommen. Für einen kurzen Moment ist es, als sei ich sie und könnte spüren, wie unangenehm der obere Rand der Kappe beim Reden immer über die Augen rutscht. Das aufgeregte Geschnatter geht ohne sinnvolle Information weiter und ich erwache.
Wenn ich mich aus dem Küchenfenster beuge und auf den Vorgarten hinunterschaue, sieht dieser aus wie ein durch klares Wasser schimmernder Wald aus fremdartigen Meerespflanzen. Seltsam! So viel geregnet hat es doch gar nicht. Die Straße wirkt ganz trocken. Mich wieder der Küche zuwendend, fällt mein Blick auf den Mülleimer. Eine einzelne Kornblume steckt darin, mit untertassengroßer Blüte. Leider mußte ich sie wegwerfen, was mich sehr traurig macht. Wenn man sich die Blüte genau betrachtet, fällt auf, daß die festen Bestandteile der Pflanze, ihre Grundblätter, der Stiel, die Nervenfasern und Äderchen noch unversehrt sind und ihr auch im Verblühen eine fragile Schönheit geben. Doch das Blau ist aus den Blütenblättern gewichen. Die Blume ist tot und nicht mehr zu retten.
Die junge Frau führt mich freundlich in das Badezimmer. Es geht um einen Test, zu welchem eine besondere Badewanne benötigt wird, um etwas darin zu versenken. Sie hat diese Badewanne, eine Eckwanne mit durchsichtiger Verkleidung. Ich bin hier zu Besuch bei einer jungen Familie, beide erst seit kurzem verheiratet, allerdings mit einem Baby, das bereits zu laufen beginnt. Als der Test abgeschlossen ist, möchte sie mir unbedingt noch eine Badewanneneinlage aus echten großen Flußsteinen zeigen. Sie legt diese unter den laufenden Wasserhahn und stellt ihr Baby darauf. Das stolpert vergnügt über die vom Wasser glitschigen Steine. Mir ist unwohl, denn das ist doch sicher nicht ungefährlich für das Baby. Aber die Mutter winkt eifrig ab. Da rutscht das Baby auch schon weg und fällt so aus der Wanne, daß es mit dem Kopf auf den Rand schlägt. Wußte ich es doch! Glücklicherweise hat das Kind nur einen Schreck bekommen, aber keine ernsthaften Verletzungen, doch die Mutter plagt nun ein sehr schlechtes Gewissen und sie versucht sich wortreich vor sich selbst und uns - ihr Mann ist inzwischen ebenfalls anwesend, sowie eine Psychologin - zu entschuldigen, ohne daß dies jemand von ihr verlangt hätte. Dazu macht sie unter anderem eine schriftliche Liste, die sie uns zu lesen gibt. Auf dieser sind alle einflußreichen Persönlichkeiten aufgeführt, mit welchen sie in ihrem Leben Bekanntschaft gemacht hat oder sogar befreundet ist. Unter diesen Persönlichkeiten finde ich unter anderem Buddha und Sri Krishnamurti. Und wie entschuldigt jetzt die angebliche und eher unwahrscheinliche persönliche Begegnung mit Buddha ihre Gedankenlosigkeit? Diese Frage behalte ich jedoch für mich und tausche nur berede Blicke mit der Psychologin aus. Diese scheint genau zu wissen, was ich denke und ganz genau dieselben Schlußfolgerungen daraus zu ziehen. "Gut, dann wäre das ja geklärt!" sagt sie übertrieben aufgeräumt und ihre Gedanken dazu ebenfalls zurückhaltend. Wir machen uns bereit zu gehen, als ich mir noch einmal den jungen Ehemann anschaue. Er wirkt sehr verwirrt und verängstigt. Anscheinend ist ihm eben gerade erst aufgegangen, daß er den Bund für den Rest seines Lebens mit einer Frau geschlossen hat, die einen Knall hat. Fast tut er mir ein bißchen leid.
Irgendwo in Templin treffe ich K. in einer geselligen Runde. Ich erinnere mich, ihn schon einmal in Templin getroffen zu haben. Anscheinend hat er Verwandtschaft hier. Er freut sich mich zu sehen, aber ich muß erst nebenan etwas abstellen. Als ich die Tür wieder schließe, trete ich versehentlich auf Katzes Schwanz. Sie faucht böse, doch statt wegzulaufen, setzt sie sich mir anklagend mitten in den Weg, so daß ich nicht vorbeikomme, und hört nicht auf zu fauchen. "Ist ja gut, ist ja gut!" versuche ich sie zu beruhigen.
An einem Sandberg mit ausgeformter Spirale, daneben ein Gewässer, hocke ich mit
Traumzeit. Kinder haben hier gespielt und irgendetwas oder jemand ist ins Wasser gefallen. Suchend gleiten meine Augen umher und in den klaren, aber nicht allzu tiefen Fluten mache ich zwei Gesichter aus. Doch es sind Puppengesichter. Gott sei Dank sind nur die Puppen ins Wasser gefallen. Vor mir an der Oberfläche paddelt hilflos ein kleiner Hund. Ich fische ihn heraus und setze ihn auf dem Sandberg ab.
Erwachend in meinem Bett stelle ich fest, daß die Adventskalender, die vorher ordentlich in einer Reihe an die Regale gelehnt standen, wie eine Armee zu meinem Bett vorgerückt sind. Sie stehen jetzt überall mitten im Raum herum, so daß man nur noch Slalom hindurchlaufen kann. Also entweder war nachts jemand hier und hat sie umgestellt, das schließe ich allerdings aus, oder aber sie haben sich von allein bewegt. Das würde bedeuten, daß dies hier ein Traum ist. Ziemlich sicher ist dies ein Traum. Als ich aufstehe, sehe ich nun auch mich selbst reglos wie eine Statue mit einer eingefrorenen Bewegung mitten im Zimmer stehen. Um mich aufzuwecken, bearbeite ich erst diese versteinerte Gestalt von mir, in dem ich sie hin- und herschüttele. Es hilft jedoch nichts und ich lege sie auf meinem leeren Bett ab. Dann beginne ich selbst herumzuhüpfen und zu springen. Während ich mich so bewege, um wach zu werden, frage ich mich, ob sich mein schlafendes Ich im Bett wohl ebenfalls bewegt. Vermutlich nicht, aber um es genau zu wissen, drehe ich mich um und betrachte mich. Noch immer liege ich still und reglos da. Plötzlich befinde ich mich wieder im Bett, um mich herum eine Gruppe von Ärzten und Schwestern, die an mir herumdoktorn. Zwar beschäftigen sie sich vor allem mit meinen Beinen, aber aus ihrem Gerede entnehme ich, daß mein Herz krank ist und gleich eine Herz-Op stattfindet, um es zu heilen.
Die Katze ist verschwunden! In der elterlichen Wohnung fällt mir ein, daß ich sie schon eine Weile nicht mehr gefüttert habe. Warum meldet sie sich nicht? Sie muß doch Hunger haben. Suchend schaue ich unter Couch und Schränke. Schließlich fällt mir ein in den Kachelofen eingelassener Gang auf, der direkt in ein Nest über dem Feuerloch führt. Die Katze hat sich darin zusammengerollt und nur das weiße Schnäuzchen leuchtet aus dem Kachelofen heraus. Mit meinen Rufen läßt sie sich hervorlocken und kommt vorsichtig aus dem Ofen gekrochen.
Es findet ein sehr zahlreich besuchter Unterricht statt. Massenhaft Bänke und Tische sind aufgereiht und voll besetzt. Der Unterrichtende ist jemand neues und gilt als etwas eigenartig. Leider habe ich vom Unterricht bisher nicht viel mitbekommen, da ich mich überhaupt nicht konzentrieren kann. Irgendwann bin ich an der Reihe und werde aufgerufen, weiß aber weder, wo wir sind, noch was man von mir will. Deshalb habe ich ein richtig schlechtes Gewissen und denke, daß ich gleich einen Rüffel bekomme. Doch stattdessen werde ich freundlich zu einem Schalter geschickt, um etwas zu erfragen oder zu besorgen. Während ich mich vor dem Schalter noch sammle und nach den richtigen Worten suche, dabei neugierig beobachtet von einem uniformierten Mann hinter dem Schalterfenster, fällt mir ein weißer Zettel auf, der direkt an der Wand darüber befestigt wurde. Er trägt meinen Namen und ist anscheinend ein Brief an mich. Ich nehme ihn und lese aufmerksam. Schöne und mysteriöse Worte, die ich mir unbedingt merken will, aber natürlich vergessen habe, sagen mir, daß ich sehr fertig aussehe und daß ich ein bestimmtes Zimmer suchen und betreten soll. Ich gehe los, platze fast in das falsche Zimmer, merke aber noch rechtzeitig, daß die richtige Tür die daneben ist, und trete ein. Eine junge Frau mit langen blonden Haaren erwartet mich bereits und begrüßt mich. Rechts von mir erkenne ich eine große Eckbadewanne mit Whirlpool, einige Massageliegen und andere Wellnesselemente befinden sich im Raum. Aus dem, was sie sagt, erfahre ich, daß sie Physiotherapeutin und Angestellte dieser Wellnessoase ist, und daß für mich eine Tagesbehandllung mit Rundumerneuerung vorgesehen ist. Sie fragt nach dem weißen Zettel, denn das ist gleichzeitig der Coupon für ihre Bezahlung, und nimmt ihn an sich. Dann fordert sie mich auf, mich gerade hinzustellen und ihr in die Augen zu schauen. Sie blickt mich ebenfalls sehr aufmerksam und suchend an, was sie dabei sieht, läßt sie allerdings offen. Mir wird klar, daß diese Wellnessbehandlung mein Lehrer in die Wege geleitet und mich über Umwege hierher geführt hat. Ich bin überwältigt davon, daß er sich so um mein Wohlergehen sorgt.
Ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft für Betreutes Wohnen, das meines ist. Eines Morgens fällt mir auf, daß der zugehörige Balkon beschädigt ist. Es fehlt die fordere Begrenzung und der Boden hängt gefährlich nach unten, so daß man theoretisch wie auf einer Rutschbahn hinunter schlittern könnte, ohne von einem Gitter aufgehalten zu werden. Zu allem Überfluß stelle ich fest, daß jemand (meine Mutter?) sämtliche Kästen mit gesundem Grün bepflanzt hat, hauptsächlich aus Salaten bestehend. Es ist zwar schön, frischen Salat auf dem Balkon zu haben, doch ich hätte lieber bunte Blumen gepflanzt. Jetzt sind sämtliche Kästen schon voll. Aber wenn ich wegen Lebensgefahr sowieso nicht auf den Balkon kann, sollte ich mich nicht zu viel darüber ärgern. Stattdessen beschließe ich, den Schaden an den Vermieter zu melden, damit der den Balkon wieder begehbar macht. Das ist zwar eigentlich nicht meine Aufgabe, sondern die der Einrichtung, doch die kümmert es nicht und da ich vorher in einer Wohnung lebte, weiß ich ja, wie das geht.
Ich warte. Auf die anderen. Auf einem großen Platz. Ich warte vor einem spezellen (Gothic?)-Kaufhaus mit einem großen Werbegesicht an der Fassade. Um mich herum strömt das Leben, Menschen die das Kaufhaus verlassen. Einem Pärchen stehe ich im Weg, dessen Hände sich, wenn auch widerwillig, trennen, um an mir vorbeizukommen. Ein Mann mit deformiertem Kopf fährt als Tombola-Gewinn das Fahrrad einer Kundin fort. In Gedanken ziehe ich das Fazit, daß ich die ganze Zeit während dieses Kurzurlaubs nichts anderes getan habe, als irgendwo zu warten. Allein in Budapest. Doch immerhin gibt mir dieser Standort hier ein gewisses Gefühl von Sicherheit und Eingebundensein.
Das Fenster der Toilette im Keller ist sehr klein und quadratisch, neben der ausladenden Treppe eines großen öffentlichen Gebäudes gelegen. Ich hocke davor und erinnere mich an die vielen Male, die ich mich durch diese enge Öffnung gezwängt habe, um in das Gebäude zu schlüpfen. So kann ich die große Treppe und den Pförtner umgehen. Auch jetzt will ich eigentlich wieder hindurchschlüpfen, aber mir kommen Bedenken. Schließlich habe ich zugelegt, was ist, wenn ich stecken bleibe? Innen versperrt die offen stehende Tür einer Toilettenzelle die Sicht, welche sich aber langsam in Richtung Türrahmen bewegt, und ich kann nun erkennen, daß die Tür zur Sanitäreinrichtung ebenfalls einen Spalt offen steht. Was ist, wenn mich jemand entdeckt, gerade wenn ich mitten im Fenster stecke? Das wäre sehr peinlich. Ich entschließe mich nun doch, die Treppe zu benutzen, lasse aber aus unerklärlichen Gründen meine hellbraunen Halbschuhe unten am Treppenansatz stehen. Erst als ich schon kurz vor der Pförtnerloge angekommen bin, fällt mir ein, daß ich schlecht ohne Schuhe in das Haus gehen kann und mache kehrt, um diese wieder anzuziehen. Dabei bleibe ich im Vorübergehen mit dem kleinen Finger in der Manteltasche eines Mannes hängen. Schnell enthake ich ihn wieder und entschuldige mich. Hoffentlich denkt er jetzt nicht, ich wollte klauen. Im Haus habe ich eine Toilette benutzt, stehe am Waschbecken und mache kehrt, um zu gehen. Ein altes, grauhaariges Ehepaar ist mit mir im Raum und die Frau fragt mich streng, ob ich mir die Hände gewaschen hätte. Zwar stand ich gerade am Waschbecken und gehe deshalb davon aus, daß ich es tat, jedoch muß dies so unbewußt gewesen sein, daß ich mich kaum erinnern kann. Ich antworte deshalb, daß ich es vergessen hätte und wasche sie mir noch einmal und ganz bewußt mit zwei gelben Seifenwürfeln. Die Frau tadelt mich wegen meines Versäumnisses, aber ich antworte nichts darauf. In einer anderen Ecke des Zimmers fällt mir plötzlich auf, daß ein leerer Kinderwagen, der mitten im Zimmer stand, sich beginnt, von alleine fortzubewegen. Erst denke ich, daß unten an das Gestell eine Schnur zum Ziehen gebunden wurde, aber auch, als ich mir den Hals ausrenke, kann ich nichts erkennen. Der Kinderwagen fährt links in den Korridor hinein und verschwindet in einem anderen Zimmer. Verwundert rufend zeige ich ihm hinterher. Das grauhaarige Ehepaar zeigt mir nun vier Bilder. Sie sagen, daß ein Geist hinter mir her sei und ich mich in einem der Bilder verstecken soll. Eines bildet eine Kuh auf einem Weg ab, ein anderes eine Menschenmenge. So eine Menschenmenge ist wahrscheinlich am besten geeignet, um sich zu verstecken, aber wie ich in solch ein Bild hineinkommen soll, ist mir ein Rätsel. Doch kaum habe ich das gedacht, bin ich bereits von einer Menschentraube umgeben, unter ihnen eine Person mit einer aufgeschlagenen Zeitung. Die Bilder der Zeitung verändern sich zu dem Schwarzweißbild einer Frau, welche Hut, Frisur und Kleidung aus den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts trägt. Sofort weiß ich, daß der Geist mich gefunden hat, es ist der Geist dieser Frau. Ich flüchte aus der Menschentraube in den großen Saal, in welchem an allen Wänden Gemälde hängen. Auch hier zeigt sich in einem Bild diese Frau, so daß ich durch die Saaltür flüchte und wieder in einem Raum mit Gemälden an den Wänden lande. Erneut ist die Frau in einem der Bilder zu erkennen, es ist, als sei sie immer schon vor mir da und als wüßte sie genau, wo ich mich aufhalte. Ich flüchte in ein drittes Zimmer, welches an den Wänden mit Holz verkleidet ist und mit einem repräsentativen, antiken Schreibtisch ausgestattet. Hier sind ebenfalls alte Gemälde über die ganze Fläche der Wände verteilt aufgehängt worden und sofort erkenne ich sie wieder in einem Bild hinter dem Schreibtisch. Während ich mit dem Finger auf das Bild deute, verwandelt sich das Gemälde und wird zum Portrait eines Säuglings. Eine Stimme neben mir merkt an, wenn ich schon im Büro des Bürgermeisters sei, solle ich jetzt sagen, was ich auf dem Herzen habe. Büro des Bürgermeisters, hm....was soll ich erzählen? Daß ich vom Geist einer Frau aus den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts verfolgt werde, der sich in immer anderen Bildern zeigt und sich darin verwandelt? Hm, hm....
Ich erwache in meinem Bett. Miauen dringt an mein Ohr. Die Katze schleicht durch das Zimmer und benimmt sich ziemlich ungezogen und mißgelaunt. Fast aggressiv scheint sie mich provozieren zu wollen. "Katze!" rufe ich gebieterisch, "Katze!", dann stehe ich auf und gehe zur Balkontür. Durch die noch zugezogenen Vorhänge fällt ein leuchtendes Lichtquadrat. Dahinter taucht plötzlich der furchterregende Schattenriss eines riesigen Vogels auf - spitzer Schnabel und ein Knäuel von Flügeln und Hälsen. Die Form erinnert an das Haupt der Medusa oder an den mythischen Vogel Phönix. Auf den Fußboden gekauert beobachte ich hinter der Tür diesen unheimlichen Schatten. Er macht sich auf meinem Balkon zu schaffen und fliegt wieder fort. Als ich, nun mutig geworden, auf den Balkon hinaustrete, fällt mir auf, daß der Vogel einen alten Blumentopf mit vertrockneten Pflanzenresten mitgenommen und dafür ein kleines Olivenbäumchen zurückgelassen hat. Er hat es aber nicht nur zurückgelassen, sondern sogar in einen Steinguttopf eingepflanzt. Das Grün des Bäumchens ist dunkel, gesund und glänzend. Jetzt wird mir auch klar, warum der Schatten des Vogels so furchteinflößend aussah - es war das Olivenbäumchen, das er mit sich trug und welches mit dem Vogelschatten zu jener monströsen Kreatur verschmolz.