Berufsträume
In meinem Fernsehsessel erwache ich. Ich habe dort die ganze Nacht verbracht und stelle fest, daß ich sehr gut geschlafen habe und außerdem auch über Nacht mehrere Kilos abgenommen haben muß, denn mein Bauch ist auf einmal platt wie eine Flunder. Super! Solche Auswirkungen hätte ich meinem Fernsehsessel nicht zugetraut, allerdings bin ich unsicher, ob dies nicht eher als ein Warnsignal zu werten ist, wenn man über Nacht so viel abnimmt. Doch gut sieht es aus. Den ersten Tag bin ich jetzt wieder im Büro, sitze an einem Besprechungstisch, als meine Teamleiterin und mehrere Kollegen kommen. Sie möchten, daß ich wieder nach Hause gehe, zu Hause bleibe und schreibe. Nanu? Wieso wollen die sowas? Aber es hört sich an, als wäre das ein Auftrag und schon beschlossene Sache. Ich gehe also wieder und treffe mehrere Kollegen, die ich hinter mir über mich reden höre. Sie sagen, daß ich entzückend aussehe und daß sich mein Aussehen mal meinem Körper anpassen sollte, bzw. umgekehrt. Wahrscheinlich meinen sie, daß ich für meinen Gesundheitszustand zu gut aussehe. Ok, ich bin zwar weiß wie eine Wand und habe enorm abgenommen, aber das kommt gut in meinen modischen Klamotten. Als nächstes bin ich mit
Gaga Nielsen auf der Straße unterwegs. Sie trägt einen langen schwarzen Ledermantel und zeigt auf eine "grüne" Katze, die aus dem 5. Stock eines Hauses auf uns herunterschaut. Eigentlich ist sie mehr schwarz, hat in der Sonne aber einen grünlichen Schimmer und ist sehr klein und dünn. Während ich noch nach oben schaue, springt sie und es scheint, als wolle sie mir direkt ins Gesicht springen. Erschrocken weiche ich einen Schritt zurück, bevor sie auf mir landen kann und unversehrt kommt sie mit ihren Pfoten auf dem Gehweg auf, strolcht nun neben uns her. "Wow! Die traut sich ja was!" staune ich, auch erleichtert, daß ihr nichts passiert ist. "Also meine Katze hätte sich das nie getraut, von so hoch oben zu springen." Wir kommen auf den Alex, wo wir in das Kaufhaus wollen. Doch vorher kreuzt uns ein langer Zug von blassgrauen, fast durchsichtigen Personen von rechts, anscheinend eine Protestkundgebung. Wir warten, bis sie vorübergezogen sind und Gaga will schon wieder loslaufen, als nun von links noch einmal so ein Zug vorbeimarschiert und ich sie schnell am Ärmel zurückhalte. Endlich kommen wir zum Kaufhaus und Gaga weiß genau, wo es lang geht. Sie öffnet eine unscheinbare Tür, die zu einem Treppenhaus führt. Doch eigentlich ist es mehr eine Leiter, die zum offenen zweiten Stockwerk wie zu einem Heuboden führt. Leichtfüßig und elegant steigt sie die Leiter hinauf und betritt das Stockwerk, ohne die Hände zu benutzen, so als sei es tatsächlich eine normale Treppe. Ich folge ihr, habe aber Angst, von der offenen Plattform rücklings hinunter zu stürzen, weshalb ich mich sitzend wie ein gestrandeter Wal auf die Plattform wälze. Wir sind nun in einer Buch- und Zeitschriftenabteilung und ich suche nach der neuen "petra", aber auch hier ist nichts von der Zeitschrift zu sehen.
In einem kleinen Raum ohne Fenster erwache ich. Drei Wände des Raumes sind von oben bis unten mit Regalen verkleidet, in welchen ausschließlich dicke Gesetzessammlungen stehen. An der vierten Wand steht mein Krankenbett, in welchem ich liege. Kollegin T. beaufsichtigt diesen Raum und die Gesetzessammlungen sind sehr interessant einsortiert. Die unteren liegend und die oberen darauf diagonal stehend. Ungewöhnlich, aber vielleicht ist das eine ihrer geheimen Ordnungen. Außerdem scheint sie es auch übernommen zu haben, sich um mich zu kümmern. Ziemlich dunkel, trist und ungemütlich ist es hier zwischen all den Gesetzessammlungen, aber wahrscheinlich hatten sie woanders kein Platz für ein Bett. Mit einem Plan tritt sie an mein Bett und erklärt mir, man habe mich endlich für einen bestimmten Zeitraum im Krankenhaus untergebracht. Erschrocken frage ich sie, was ich da soll. Ich war doch gerade erst im Krankenhaus, warum soll ich also wieder dorthin? Sie erklärt mir lächelnd, daß dies nötig sei, weil ich ein neues Kleid bekommen solle und das könne man nur besorgen, wenn ich im Krankenhaus sei. Das verstehe ich zwar immer noch nicht, doch sage nichts mehr. Eigentlich kann ich mit Kleidern gar nichts anfangen, die stehen mir nicht. Aber gut, vielleicht wollen sie mir damit nur etwas Gutes tun und es würde undankbar wirken, wenn ich jetzt herummäkel. Eine lange Hose wäre mir aber trotzdem lieber. Andere Kollegen gehen ein und aus oder stehen beeinander, alle in Besetzung einer früheren Abteilung und nicht der jetzigen. Kollegin P. kommt herzlich an mein Bett geeilt, umarmt mich, fragt wie es mir geht und flüstert: "Jetzt bekommst du ja bald dein neues Kleid!" Schon wieder! Was meinen die nur damit? "Da ist doch irgendetwas im Busch. Eine Überraschung, oder so." sinniere ich laut vor mich in und merke zu spät, daß die Teamleiterin diese Gedanken mitbekommen hat. Sie reagiert jedoch nicht weiter darauf. Etwas später hat man mich aus dem Krankenbett herausgeholt und ich sitze mit den anderen Kollegen, unter ihnen K. und der Große, zusammen. Es werden jede Menge Geschenke ausgepackt, vielleicht ist das hier gerade ein Julklapp, muß wohl so sein, was sollten sonst diese vielen Geschenke. Ein dunkelhaariger Mann kommt hinzu, der mich an einen ehemaligen Seminarleiter erinnert. Er scheint eine Art Kopfjäger zu sein, denn er offeriert dem Großen einen neuen Job. Dann fällt sein Blick auf mich, er drückt mir ein liniertes Blatt und einen Stift in die Hand und fordert mich auf, meinen Namen aufzuschreiben. Fragend schaue ich ihn an, ziemlich perplex, weil ich nicht weiß, was das werden soll. Als er meine Verwirrung bemerkt, erklärt er wie nebenbei, als sei es schon beschlossene Sache, daß er für mich auch einen neuen Job hat und fragt mich, ob ich Samba tanze. Er scheint großes Interesse daran zu haben, mit mir tanzen zu gehen und mich attraktiv zu finden. Daß er mir nur deshalb gleich einen Job anbietet ohne mich zu kennen, ist schon ziemlich kühn von ihm. Spontan, um ihn vor einem großen Fehler zu bewahren, möchte ich etwas über meine Krankheit sagen, beiße mir dann aber auf die Zunge. Warum soll ich mir die Chance verbauen? Selbst schuld, wenn er nur nach dem Äußeren geht. Stattdessen sage ich nur, daß ich nicht wirklich gut tanzen kann. Dann beginne ich meinen Vornamen in Großbuchstaben auf das Papier zu schreiben. Kollegin T. und ich stehen mit einem Kinderwagen in einem Flur mit geschlossener Fensterwand. Mein Blick fällt auf einen grauen Himmel, an welchem Funken regungslos verharren, so als sei gerade ein Feuerwerk am hellichten Tag fotografiert worden. Was ist hier los? Eine Explosion? Kaum habe ich das gedacht, beginnt es von oben Gegenstände herunterzuprasseln. Einige durchschlagen das Fensterglas und das Dach. Mit einem Brett versuchen wir das Baby im Kinderwagen zu schützen, damit es keine Glassplitter oder gefährlichen Gegenstände abbekommt, was wohl auch gelingt.
In einer Küche brate ich mir ein Spiegelei, esse aber nur das gestockte Eiweiß. Mein Vater kommt hinzu und sagt, daß er auch ein Spiegelei möchte. Er geht hinüber zur Spüle und macht sich dort an etwas zu schaffen, wobei er mir den Rücken zukehrt. Während ich seinen Rücken betrachte, kommt mir Gedanke, daß hier etwas nicht stimmen kann. Doch was ist es? Nach mehreren Überlegungen weiß ich es. Mein Vater ist tot und dies hier kann deshalb nur ein Traum sein. Dann erwache ich.
Der Ort, an dem die Eltern meines Freundes oder meiner Freundin leben, gleicht einen Trümmerberg. Über einem unwegsamen Gelände aus angehäuften Trümmern, befinden sich einige halbwegs intakte Räume. Ich bin hier zu Besuch und lerne auch sogleich die Mutter kennen. Ihre schulterlangen dunklen Haare mit wenigen grauen Strähnen sind zu einem Zopf gebunden, als sie direkt auf mich zukommt. Ihr Alter würde ich auf Mitte Fünfzig schätzen. Ohne Umschweife und Begrüßung fragt sie mich, wie ich mit meiner Brustkrebserkrankung klar komme. Mein Blick fällt auf ihren grauen Pullover, unter dem sich nur eine einzige Brust abzeichnet. Die andere, die rechte Brust wurde amputiert, da sie dieselbe Krankheit hatte. Ich meine mich zu erinnern, daß man mir gesagt hätte, sie würde nicht gerne über ihre Erkrankung sprechen. Ihre offensive Frage erstaunt mich deshalb ein wenig. Und was soll man darauf antworten? Wieweit kann man damit klar kommen oder nicht klar kommen, wenn man sowieso keine Wahl hat? Hm....ganz gut....ja, antworte ich. Dann setze ich mich zu ihr und einem anderen Familienmitglied in das Wohnzimmer. Neben meinem Stuhl fällt mir eine weiße Katze auf. Spontan beginne ich sie zu streicheln, was die Katze auf den Gedanken bringt, mich ganz für sich zu vereinnahmen, indem sie auf meinen Schoß springt und meine Hand sowohl mit spitzen Krallen als auch spitzen Zähnen festhält, um immer neue Streicheleinheiten von mir zu fordern. Aua!
In einem Hotel oder einer Pension entbrenne ich in wilder Leidenschaft zu einem fast mannshohen Teddybären. Wenn er mit seinem großen Teddybärenkopf auf mir liegt und ich mein Gesicht in sein flauschiges Fell drücke, ist es, als wäre ich in einer weichen und warmen Höhle geborgen. Das macht mich ungeheuer an. Ich beginne deshalb zu masturbieren, unterbreche aber schnell wieder, weil mir einfällt, daß mir durch das Fenster wahrscheinlich jeder beim Teddybärchensex zusehen könnte. Und das wäre doch äußerst peinlich. Also stehe ich auf und untersuche die Lamellenvorhänge am Fenster, in der Hoffnung, sie irgendwie blickdicht schließen zu können. Währenddessen knallt die Tür auf und mein früherer und erster Bereichsleiter stürmt mit einer Klientin herein. Schlagartig wird mir bewußt, daß ich nur ein Nachthemd trage und keine Perücke. Eigentlich würde ich gerne im Erdboden versinken, aber bemühe mich trotzdem, mit gespielter Selbstverständlichkeit und Souveränität durch die Situation zu kommen. Aber eigentlich könnte man vorher ja auch mal anklopfen! Der Bereichsleiter will von mir, daß ich den Antrag der Klientin bearbeite und ihr helfe. Anscheinend soll sie sogar in der anderen Doppelbetthälfte meines Zimmers schlafen. Hallo gehts noch? Was ist mit meiner Privatsphäre? Und überhaupt bin ich hier nicht, um zu arbeiten! Trotzdem füge ich mich. Einmal kann man ja aushelfen, wenn es denn so dringend sein muß. Als ich durch das Zimmer auf die Frau zugehe, fällt mein Blick im Vorbeigehen auf einen bodenhohen Wandspiegel. Darin sehe ich vorwitzige tizianrote Haarsträhnen sich um meinen Nacken schlängeln und im gedämpften Licht seidig glänzen. Ich bin erstaunt, wie lang meine Haare so schnell geworden sind. Das sieht ja weniger schlimm aus, als ich dachte. Die Klientin lasse ich ein paar Papiere unterschreiben und mein Bereichleiter beginnt sich indessen den Bart zu rasieren. "Sie kommen doch wieder zu mir.." mehr Frage als Feststellung, sagt er und schaut mich hoffnungsvoll an. Damit meint er wohl in seinen Bereich, wenn ich arbeitsfähig bin. Ich antworte nicht, denn insgeheim bin ich verärgert. Wer will sich schon freiwillig solche Überfälle gefallen lassen? Ich betrachte sein Gesicht etwas genauer. Während die eine Hälfte des Bartes noch unter weißem Rasierschaum steckt, ist auf der anderen Seite des Gesichts ein kunstvoll und großzügig gezwirbelter Musketier-Bart zu erkennen.
Bemerkung: Mein früherer Bereichsleiter war in der Tat ein Schaumschläger.
Obwohl krank, werde ich zu einer Dienstsitzung im Büro eingeladen. Kann ja auch nicht schaden, auf dem Laufenden zu sein. Doch merkwürdige Dinge gehen dort vor. Die Anweisungen und Regelungen werden per Bildschirm von der Leitung übertragen. Die Leute, die ich auf dem Bildschirm sehe, sind mir unbekannt. Ich frage deshalb die Kollegen um mich herum, ob es neue Chefs gibt, aber so richtig antworten möchte mir niemand. Überhaupt herrscht eine seltsame Atmossphäre. Es scheint, als würde jeder nur verdeckt und hinter vorgehaltener Hand wagen, etwas zu äußern. Wenn jemand mir etwas erzählen will, bekommt er einen Rüffel. Die meisten Kollegen scheinen ängstlich und halten sich zurück. Desweiteren erfahre ich, wie in einem Rundschreiben darauf hingewiesen wurde, daß meine Eltern wohlhabend seien und deshalb keine Hilfen erhalten dürften. Nun wären wir sicherlich auch nie auf die Idee gekommen, irgendwelche staatlichen Hilfen zu beanspruchen, aber das konkret mit den Daten in einem Rundschreiben herumzugeben, grenzt schon an eine Unverschämtheit und unerlaubte Datensammlung und -weitergabe. Und woher wissen die das eigentlich? Ist irgendwer auf mein Blog gestoßen? Von den Kollegen erhalte ich positive, wenn auch meist eher versteckte oder heimliche Rückmeldungen, doch das Klima insgesamt ist ziemlich bedrückend. Hui, was bin ich froh, daß ich mich damit hier jetzt nicht herumärgern muß.
Mein früheres Kinderzimmer teile ich mir jetzt mit einem Kollegen. Es ist wie ein Büro eingerichtet und er bewohnt den hinteren, ich den vorderen Teil, wobei unsere Schreibtische genau dort zusammenstehen, wo mein Kinderschreibtisch stand. In allen Schränken und Regalen befinden sich statt Spielzeug Akten. Wer hätte gedacht, daß es sich hier so verändern würde? Auf der Seite von K. sind nur noch einige Spielzeugautos zu sehen, die wohl ihm gehören, und auf meiner Seite zwei Puppen, die zwischen den Akten stehen - eine in Spreewaldtracht und meine Hippie-Puppe. Irgendwo auf seiner Seite finde ich zwei gleiche, noch neue und eingeschweißte Puppenkleider. Da ich denke, daß die sowieso für mich sind, nehme ich mir einfach eines, um es meiner Hippie-Puppe anzuziehen. Allerdings sieht es mehr aus, wie für eine magere Barbie gemacht und die Hippie-Puppe hat etwas fülligere Formen. Ob es da paßt? Doch die Taille ist aus Gummi und elastisch, wie ich feststelle. Könnte also klappen. Aber kurz bevor ich es der Puppe überziehe, überlege ich es mir anders. K. ist wieder da, hat meinen Aktionsrückzieher mitbekommen und ich sage zu ihm: "Nee, lieber doch nicht. Damit sieht sie ja aus wie ein Gothic! Dann lieber Hippie."
Die Hippie-Puppe ist die Rechte vom Betrachter aus gesehen.
Als ich das Büro betrete, sehe ich dort die taubstumme Kollegin aus meinem früheren Job. Zuerst einmal bin ich aber damit beschäftigt, den richtigen Fahrstuhl zu finden. Es gibt vier davon: Zwei auf einer Seite, jeweils wenn man nach links oder nach rechts will, und zwei auf der Längsseite, jeweils nach links oder rechts. Damit man weiß, welcher Fahrstuhl wohin führt, steht immer ein großes R oder ein großes L daran. Ich weiß trotzdem nicht so genau, den Fahrstuhl welcher Seite ich nehmen muß, entscheide mich schließlich für den an der Längsseite und drücke den Knopf. Während ich warte, fällt mir auf, daß meine Kollegin auf einem schmalen Sims an der Wand vorsichtig rund um das Zimmer balanciert, so als traue sie sich nicht den Boden zu berühren. Meine Chefin kommt herein und erklärt, daß im Büro eine Ratte gefunden wurde. Ah ja...
Nach einem Tag beim Studium treffe ich an der Bushaltestelle meinen Sportlehrer, ein Bär von einem Mann mit grauem Vollbart und grauen langen Haaren. Ich grüße ihn, er grüßt zurück und ihm entfährt ein: "Wow, siehst du gut aus!" Meint der mich? Ich schaue mich um, aber da ist niemand anderes. Ich bin es außerdem nicht gewöhnt, daß ein Sportlehrer so mit mir redet. "Wir sehen uns dann am Donnerstag!" sagt er weiter. Hm, haben wir am Donnerstag Sport? Daran kann ich mich gar nicht erinnern. Aber wahrscheinlich habe ich nur meinen Stundenplan nicht im Kopf. Wir steigen in den herbeigefahrenen Bus und setzen uns auf zwei freie, hintereinanderliegende Gangplätze. Während der Fahrt unterhält er sich mit einem Mann auf der anderen Seite des Busses, ebenfalls mit Vollbart, wobei er immer von hinten mit den Knöcheln seiner Hand auf meine Schulter klopft, als rede er über mich. Zusammen mit ihm betrete ich ein öffentliches Gebäude mit vielen Gängen und Treppenhäusern, wo wir zu unterschiedlichen Räumen müssen, aber ich folge ihm erst einmal, da ich noch nicht so wirklich weiß, in welche Richtung ich gehen muß. Doch dort, wo wir landen, bin ich verkehrt, deshalb verabschiede ich mich von ihm und den anderen Männern im Raum. Noch bevor die Tür hinter mir ganz zugegangen ist, höre ich einen von ihnen in meine Richtung sagen: "Sehr hübsch. Hoffentlich läßt er richtig was für sie springen." Anscheinend denkt er, der Sportlehrer macht mir den Hof, oder so, und soll nicht knauserig dabei sein. Ich irre jetzt im Treppenhaus zwischen verschiedenen Etagen umher. Mal geht es rauf, dann wieder runter. Manchmal weiß ich gar nicht mehr, auf welcher Höhe ich mich eigentlich befinde. Irgendwo entdecke ich sogar neben der Treppe eine Tür, doch sie führt nur in eine Toilette. Anscheinend sind die hier zwischen den Etagen, neben die Treppen ausgelagert. Als ich die Tür zur Toilette schließe, sehe ich um die Ecke die dicke, gemütliche Frau Kollegin T. die Treppe hinuntergehen. Die ist in Ordnung, der hätte ich Guten Tag sagen können, aber jetzt ist sie schon weg. Mir wird klar, daß ich hier in dem Haus bin, wo sich auch meine Arbeitsstelle befindet, den meisten meiner Kollegen möchte ich allerdings in meinem Zustand nicht so gerne begegnen. Andererseits - ich schaue an mir hinunter und mir fällt auf, daß ich ungewöhnliche Kleidung trage - einen Samtrock und rote Schuhe - fühle ich mich gut, sehe gut aus - sogar mit Perücke, die Aussagen der Männer haben das bestätigt. Also wenn ich Kollegen treffe, können sie sich ausschließlich darüber das Maul zerreißen. Inzwischen habe ich die richtige Etage gefunden. Hier kommt es mir bekannt vor und hier ist wohl auch die Arbeitsagentur. Der Grund meines Hierseins ist eine überraschende Einladung zu einem Vorstellungsgespräch in meinem Briefkasten. Überraschend deshalb, weil ich mich nirgends beworben habe, aber ich dachte mir, es kann nicht schaden, trotzdem hinzugehen. Jetzt muß ich nur noch den richtigen Raum finden. Dieser Gang, der hier rechtwinkelig abgeht, mit dem großen weißen Schild an der einen Tür, kommt mir ebenfalls bekannt vor. Vielleicht ist es hier, vielleicht sogar dort, wo das Schild hängt. Als ich den Gang entlanggehe, fängt mich eine Frau mit gleich lang geschnittenen, halblangen Haaren ab. Sie hat bereits auf mich gewartet und erklärt mir, daß sie und ihre Kollegen das, was ich letztens über das Anorganische erzählt habe, sehr interessant fanden und mich für einen bestimmten Posten wollen. Hm, kann mich gar nicht erinnern, daß ich irgendein Gespräch über chemische oder biologische Themen hatte und eigentlich habe ich davon nicht viel Ahnung. Wer weiß, was sie meint, vielleicht habe ich es einfach vergessen. Sie führt mich in den Raum, wo das Vorstellungsgespräch stattfinden soll, doch dieser ist nur über eine steile enge Leiter zu erreichen, die man erklimmen muß. Diese Kletterei ist ziemlich anstrengend. Der gesamte Raum ist gefüllt mit Leuten, die zum Gespräch anwesend sind, jedoch größenteils Kinder, die sich mit anderen Dingen beschäftigen und die nicht interessiert, was wir reden, stelle ich erleichtert fest. Denn mich vor allen zum Löffel zu machen, was wohl, befürchte ich, eintreten wird, dazu habe ich nicht viel Lust. Mir werden drei Frauen namentlich vorgestellt (die Namen habe ich jedoch gleich wieder vergessen), die an dem Gespräch beteiligt sein werden. Wir begrüßen uns, jeder nimmt seinen Sitzplatz ein und ich frage erst einmal, um was für einen Posten es überhaupt geht. Es stellt sich heraus, daß es sich um einen Arbeits- oder auch Studienplatz in New York handelt. Für manch einen mag das ein Traum sein, aber was soll ich in New York? Ich wollte noch nie dort wohnen, arbeiten oder studieren. Na egal, nach dem Vorstellungsgespräch werden die mich sowieso nicht nehmen. Die erste Frage wird mir gestellt. Die Frau links von mir zeigt mir ein Metallteil mit metallischen Kügelchen und möchte auf Englisch von mir wissen, was das ist. Ich meine, daß das irgendein künstliches Gelenk ist, aber ich wäre froh, wenn mir der richtige Name auf deutsch einfiele, in Englisch kenne ich den Begriff überhaupt nicht. Wie heißt das nur? Hunne? Husse? Ach nee, daß ist ja der Möbelüberzug. Na ja, antworte ich, ich schätze, das ist irgendein künstliches Gelenk. Alle nicken eifrig und es scheint ihnen zu reichen. Ich jedoch denke bei mir, daß es Zeit wäre, diese ganze Situation langsam abzubrechen und aufzuklären, wenn die so von mir eingenommen sind, daß ich mich noch nicht einmal zum Löffel machen kann. Schließlich will ich gar nicht nach NY und krank bin ich außerdem. Selbst wenn ich wollte, wäre das mit einer Brustkrebserkrankung nicht möglich. Und sie sollten wissen, daß ich Brustkrebs habe, sonst sind sie hinterher noch sauer, weil sie mich doch nicht einstellen können. Aber hier vor versammelter Mannschaft möchte ich damit auch nicht herausplatzen. Muß ja nicht jeder wissen. Ich wende mich erstmal vorsichtig an die Frau, die mich in den Raum geführt hat und taste mich vor, indem ich anmerke, daß ich sicher nicht die geeignete Person für die Stelle bin und ich denke, daß dies hier nicht viel Sinn macht. Die Frau schaut mich ganz groß an und schüttelt vehement mit dem Kopf, ohne von mir irgendwelche Argumente hören zu wollen. Ihrem Gesichtsausdruck nach vermute ich, sie meint, ich fühle mich den Anforderungen nicht gewachsen und habe zu wenig Selbstvertrauen. Herrje, wie komme ich jetzt hier wieder raus?
Auf einer Untersuchungsliege in der Klinik. Als Arzt hinter dem Schreibtisch sitzt ein ehemaliger Kollege. Er hat anscheinend seinen Job gewechselt. Sehr aufmerksam und interessiert studiert er meine Krankenakte. Zuerst bin ich angenehm überrascht, als ich aber daran denke, daß er vielleicht meine Brust untersuchen möchte, geniere ich mich etwas. Zwar ist er jetzt Arzt, aber da wir uns kennen, finde ich das trotzdem blöd. Mir kommt es vor, als hätte er meine Gedanken erraten, denn während er liest, beginnt sein Gesich zu erröten. Auch seine Ohren leuchten immer roter und er steckt seine Nase noch angestrengter und konzentrierter in die Krankenakte, wie putzig. Die Tür geht auf und Kollegin D. tritt ins Zimmer. Auch sie ist nun Ärztin. Sind denn alle Kollegen zum medizinischen Personal übergelaufen?
Auf dem Weg zu meiner Arbeitsstelle. Als ich das Bürohaus betrete, treffe ich eine mir unbekannte Kollegin, mit der ich einige Worte wechsel. Doch bei einem Satz bleibt sie plötzlich hängen und wiederholt ihn unaufhörlich, so als hätte sie in sich einen Mechanismus, der mit einem Mal hakt. Mir wird klar, daß sie, obwohl wie ein normaler Mensch aussehend, ein Roboter ist. Und auch die anderen Kollegen, befürchte ich nun, sind wahrscheinlich nichts als Roboter.
Eine lebendige Taube in meiner vollen Einkaufstasche. War wohl etwas neugierig oder wollte sich dort verstecken.
Ein Gelände mit labyrinthartig angeordneten Lehmwänden, Öffnungen und Türen. Ich habe die Aufgabe in Art einer Prüfung etwas daraus zu finden und zu holen. Teilweise verlaufen tieferliegende Gräben in den Räumen, die zu Friedhöfen führen, welche sich in der Basis der Wände befinden. Die Gräber werden höhlenartig in die Wände gegraben und seltsamerweise spielen Kinder hier. Sie buddeln alte Gräber auf und wieder zu. Ein älterer Mann gibt ihnen einen großen Umschlag mit wichtigen Papieren und sagt zu ihnen, sie sollen den Umschlag mit in das Loch legen und begraben. Die Zeit für meinen Auftrag ist um, aber ich bin immer noch hier, was ich eigentlich nicht dürfte. Als ich versuche, den Ausgang zu finden, muß ich feststellen, daß die zu meinem Auftrag gehörigen Öffnungen und Türen für den nächsten Prüfungsdurchgang zugemauert und woanders hin verlegt wurden. Jetzt wird es schwierig, den Ausgang zu finden, falls es überhaupt noch einen gibt. Damit es nicht auffällt, daß ich immer noch hier bin, gehe ich im größeren Hauptraum zum Geschäftsleiter und bitte um ein Gespräch. Wir sitzen uns gegenüber und ich erzähle, daß mir das Praktikum hier wirklich Spaß gemacht hätte, ich aber gerne noch einiges dazu anmerken würde, auch einige kritische Dinge, die mir aufgefallen seien. Er solle das nicht falsch verstehen, es wäre im Großen und Ganzen alles in Ordnung gewesen, aber gewisse Sachen könnte man verbessern und es wäre mir ein Anliegen, dazu beizutragen. Der Geschäftsführer hört mir aufmerksam und etwas ungläubig schauend zu, gibt jedoch sein Einverständnis, allerdings auch genaue Anweisungen, wie das auszusehen hat. Alle Bemerkungen müsse ich schriftlich machen, als Überschrift müsse "Kündigung" darüberstehen und diese Überschrift müsse braun oder gelb unterstrichen sein. Ich bin zufrieden, denn mein Ziel, daß es nicht auffällt, wenn ich mich hier länger aufhalte, habe ich erreicht. Jetzt muß ich schnellstens zusehen, den Ausgang zu finden. Nach enigem Herumirren durch schmale Gänge, Türen und Öffnungen hindurch, habe ich ihn wohl auch gefunden.
Ich sitze neben meiner ehemaligen Chefin. Diese hält ein Schreiben in ihren Händen. Meine Augen gleiten neugierig hinüber und ich erkenne, daß es um mich geht. Anscheinend ist es meine neue Beurteilung. Einen Satz kann ich ganz lesen. Er lautet in etwa: "Zuckerwattewolkenmond ist niemals mürrisch (o.ä.), sondern streut überall wo sie hinkommt Zucker." Oh, wow....ich bin von der positiven Meinung über mich ziemlich beeindruckt.
Mein Wohnzimmer, völlig leer bis auf einen Büroteppichboden und verschiedene Fax- und Bürogeräte, die herumstehen. An dem einen blinken plötzlich die Wähltasten, ohne daß irgendetwas klingelt oder sich weiter tut. Ich bemerke, daß etwas auf dem Balkon vorgeht und glaube, daß dies in Zusammenhang mit den seltsamen Blinkzeichen steht. Als ich nachschauen will, fliegt eine große Ringeltaube in mein Wohnzimmer, spaziert ein wenig herum, und macht sich dann wieder aus dem Staub. Das Bürowohnzimmer wandelt sich nun in mehrere Büroräume auf Arbeit. Aber alles ist so seltsam anders und vor allem neu. Neue Büromöbel, neue, viel kleinere Schreibtische, neue Arbeitsgeräte, aber nirgendwo Arbeit oder Akten. Ich laufe eine ganze Weile umher, zwischen neuen Möbeln und vielfach unbekannten Kollegen, um einen Platz zu finden, der wohl für mich vorgesehen ist, finde aber keinen. Weder gibt es einen Schreibtisch für mich, noch Arbeit. Ich sollte mich bei den Vorgesetzten beschweren. Wie soll man denn so arbeiten?