Träume von Verstorbenen
In einem gigantischen Stadion lasse ich meine Blicke vom Spielfeld aus über die Zuschauertribünen schweifen. Das Stadion ist so groß, daß die Zuschauer zu einer einzigen grauen Masse verschwimmen, die einzelnen Gesichter und Gestalten winzig klein, daß niemand zu unterscheiden oder zu erkennen ist. Trotzdem erkenne ich ganz oben in der letzten Reihe zwei Personen und wundere mich selbst über meinen scharfen Blick - es sind zwei Verstorbene, mein Vater und noch jemand, den ich vergessen habe. Jetzt wird mir klar, daß die Zuschauer im Stadion die Toten sind, die von den Tribünen aus das Spiel des Lebens auf dem Spielfeld beobachten.
Auf Reisen, in Erinnerung geblieben sind die Orte Budapest und Dachau. In Dachau auf einem Hügel ist in der Ferne das Gelände des Konzentrationslagers zu erkennen. Dieses besuchen wir aber nicht, stattdessen laufe ich auf einer Art Strand ohne Meer. Meine Füße sinken tief in den sonst glatten Sand und hinterlassen die einzige Fußspuren. Doch dann entdecke ich daneben noch eine andere Fußspur. Es ist die meines Vaters. Er ist diesen Weg bereits gegangen, als er schon krank war und ihm das Laufen schwergefallen ist. Es ist erstaunlich, daß er diese Strecke überhaupt noch zu Fuß gehen konnte. Ich erreiche einen großen Keller, einen Keller meiner Familie, der einstmals voller Gerümpel gewesen ist, da meine Mutter ständig alle möglichen Möbel aufgehoben hat. Doch jetzt ist der Keller bis auf einige Kohlen und Holzscheite fast leer und picobello sauber. Meine Mutter hat ihn aufgeräumt. Seltsam, daß sie sich auf einmal von diesem ganzen Gerümpel trennen konnte. Das scheint ein regelrechter Gesinnungswechsel zu sein. Seit sie älter geworden ist, will sie es anscheinend nicht mehr mit sich herumschleppen. Mein Vater kommt in diesem Keller, auch er scheint irgendwie ein anderer zu sein, obwohl ich ihn als meinen Vater erkenne. Er sagt :"Ich werde der Erste sein, der in das Finster fällt." Ich verstehe nicht so recht, was er damit sagen will. Zum einen ist mir bewußt, daß er bereits tot ist, und wenn er das ist, wie kann er dann noch in das Finster fallen? Zum anderen frage ich mich, wer außerdem in das Finster fallen wird. Ist das ein Familienfluch? In einer spontanen emotionalen Anwandlung falle ich ihm um den Hals, rufe ein "Daddy!" aus und streiche ihm mit der Hand über die bärtige Wange. Ich halte ihn lange fest umarmt, während mir durch den Kopf hundert Sachen gehen, die ich ihm gerne sagen würde, doch meine Tränen hindern mich am Sprechen. Ich bekomme nur einen einzigen Satz heraus: "Ich möchte dir so gerne Danke sagen!" Weinend wache ich auf. Es ist ca. 6:30 h.
Aus späteren Träumen erwache ich vermeintlich durch seltsame Geräusche aus meinem Zimmer. Ich höre ein Flattern und den hohen Rufton von Blaumeisen. Angestrengt starre ich in das Dunkel und tatsächlich, in einer Ecke bewegt sich etwas. Es müssen Meisen im Zimmer sein! Sie kommen aus der Ecke hervor und ich erkenne, daß es keine Meisen sind, sondern drei phantastisch schöne Vögel, die ich noch nie gesehen haben. Sie haben die Größe von Tauben, erinnern von der Körperform her an Kraniche und tragen den Schwanz eines Pfaus. Ihr Gefieder funkelt prachtvoll in reinstem Weiß, himmelhellblau und tiefem Indigoblau. Wunderschön! Ich locke sie mit Tönen und strecke meinen Arm aus dem Bett. Einer der Vögel kommt tatsächlich herangeflogen und läßt sich auf meiner Hand nieder.
Meine verstorbene Katze springt aufgeregt an mir hoch und es sieht aus, als würde sie nach mir schnappen. Aber mir wird klar, daß sie nicht nach mir schnappt, denn sonst hätte sie mich bereits gebissen, sondern nach etwas Unsichtbarem an meiner Seite. Ich kann es nicht sehen, doch es muß wohl negativ sein.
Ich stehe an einer Bushaltestelle und erkenne gegenüber auf der anderen Seite
Cptsalek. Er schaut nun ebenfalls aufmerksam zu mir, ich bin mir aber nicht sicher, ob er mich erkennt. Mir fällt auf, daß er viel kleiner ist, als ich ihn mir vorgestellt habe.
Ein Klassenzimmer, in dem der Sarg mit meinem Vater steht. Es ist nicht mehr üblich, die Särge in der Erde zu vergraben, sondern man bewahrt die Toten in einem Sarg voll Erde auf. Da die Körper dabei von Erde umgeben sind, ist man von den Auswirkungen der Verwesung ziemlich geschützt, kann den Sarg mitten irgendwo im Zimmer aufstellen und muß nicht erst auf den Friedhof gehen, um den Toten zu besuchen. Bei meinem Vater ist allerdings einer der Füße aus der Erde gerutscht und schaut ein wenig aus dem Sarg heraus, dies stört jedoch keine der zahlreichen Personen um mich herum. Verwesende Gliedmaßen sind inzwischen etwas ganz Normales. Ihnen begegnet man überall, da auch andere Särge, die in Zimmern stehen, nicht unbedingt so streng verschlossen sind. Irgendwie stört mich der Sarg, weil er den Platz für einen Schreibtisch für mich wegnimmt. Ich habe keinen Platz zum Sitzen und zum Arbeiten, und versuche das jemandem klar zu machen, damit dieser erlaubt, den Sarg hinausbringen zu lassen. Meine ehemalige Chefin schwebt herein, d. h. sie läuft trotz ihrer Körperfülle in einer seltsam affektierten Art, und bekommt den Disput mit.
Gerade sage ich, daß ich Tag für Tag am Grab meines Vaters gewesen bin - hier korrigiere ich mich, da mir einfällt, daß es so nicht stimmt -: Ich sei oft am Grab meines Vaters gewesen, aber jetzt wäre es an der Zeit, den Sarg zu entfernen, um Platz zu schaffen, damit ich an einem vernünftigen Schreibtisch sitzen kann und auch vernünftig arbeiten kann. Meine Chefin signalisiert hier mit einer Bemerkung ihre absolute Zustimmung zu meiner Meinung, hält sich aber nicht weiter auf, sondern schwebt an mir vorbei zu den anderen Leuten im Raum. Ich bin froh, daß ich wenigstens sie mit meinem Wunsch hinter mir habe, denn anscheinend ist man hier über solche Vorschläge nicht sehr erbaut. Während ich ihr nachschaue, fällt mir auf, daß sie eine unnatürlich gelbe Haut hat. Sie steht jetzt vor den anderen, öffnet ihre Bluse und präsentiert ihnen etwas, das ich selbst nicht sehen kann, aber aus den Reaktionen in hellsichtiger Weise erkenne: Ein tellergroßes Geschwür an ihrem Oberkörper.
In einem anderen Zimmer, wieder in ein Gespräch vertieft. Eine Wand des Zimmers fehlt und der Raum geht direkt in die Umgebung über. Aus dem Augenwinkel beobachte ich eine dichte schwarze Wolke, welche immer größer und größer wird, sich bis hoch in den Himmel ausdehnt. Aus dieser Wolke materialisiert sich eine Gestalt, eine Mischung aus Michael Jackson und einem Gorilla, in der Größe von King Kong. Der allererste Blick, mit gewendetem Kopf, schräg über die Schulter, mit unheimlichen, tierischen Augen, fällt genau auf mich. Nun bin ich diesem Wesen gegenüber winzig klein und überlege deshalb, ob es mich überhaupt gesehen hat. Vielleicht hat es mich ja gar nicht wahrgenommen. Andererseits weiß ich doch genau, daß es nicht so ist, sondern daß diese Mischung aus Michael Jackson und King Kong allein mich sucht, mich überall hin verfolgen wird und mich ganz sicher auch erkannt hat. Also beschließe ich sogleich zu flüchten. Während ich mich eilig vom Ort entferne, überlege ich fieberhaft, wo ich mich verstecken könnte. Am sichersten erscheint mir, mich in einem Kleiderschrank zu verstecken, da winzige Schränke dieses Geschöpf vielleicht nicht interessieren. Ich bin mir allerdings nicht klar darüber, wie es mit seinem Geruchssinn aussieht. Eventuell kann er mich ja "erschnüffeln". Doch ein Schrank ist sowieso weit und breit nicht in Sicht. Stattdessen gehe ich die Treppen zu einem Schwimmbad hinunter. Seltsamerweise sehe ich um das erhöhte Schwimmbecken herum sich sehr lange Besen bewegen. Nanu? Was ist das? Doch mit einigen Schritten weiter lüftet sich schon das Geheimnis. Eine Putzkolonne fährt lautlos auf Weinachtschlitten um das Becken herum und auf jedem Schlitten befindet sich ein Besen, die ich in der Länge auf mindestens drei bis vier Meter schätzen würde. Nun ist die Putzkolonne aus den Schlitten gestiegen und kommt mir auf der Treppe entgegen. Die Chefin ist eine ältere, verhärmt aussehende Frau mit feuerroten kurzen Haaren. Sofort vermute ich, daß es eine Hexe ist. Das würde auch die merkwürdigen Besen erklären. Sie ruft jemandem aus der Kolonne etwas zu und nennt ihn "Stefan". Es gibt zwar jede Menge Personen, die Stefan heißen, aber etwas in der Art ihrer Aussprache, eine kleine Betonung nur, läßt mich sofort wissen, daß es ein Stefan ist, den ich kenne. Nur woher? Es will mir nicht recht einfallen. Vielleicht einer meiner Blognachbarn? Aber ich habe keine Zeit, mich mit diesem Stefan weiter zu beschäftigen, denn ich muß mich vor King Kong in Sicherheit bringen.
Bemerkung: Ein Traum wie ein Abstieg ins Totenreich. Samhain ist doch noch gar nicht...
Die verstorbene Freundin meiner Mutter ist zu Besuch in der alten elterlichen Wohnung. Da sie mir zum Geburtstag ein Geschenk hinterlassen hat, gehe ich zu ihr und spreche sie an, um mich zu bedanken. Sie möchte wissen, was sie mir geschenkt hat, anscheinend hat sie es bereits vergessen. Ich zeige ihr zwei kleine Handtäschen. Das eine ist leer, im anderen sind interessante Kindheitsfotos von mir.
Jetzt befinde ich mich im Wohnzimmer und stelle fest, daß meine Mutter dort schon einen vollständig geschmückten Weihnachtsbaum zu stehen hat. Ich bin überrascht - ist das nicht ein bißchen früh? Außerdem fällt mir auf, daß der Baum nicht besonders frisch und schön aussieht. Bis Weihnachten hält der nicht mehr durch. Die Nadeln scheinen jetzt bereits sehr trocken zu sein und in den Zweigen klaffen größere Lücken. Auf der Spitze trägt der Baum eine perlmuttweiß schimmernde Kugel, die an eine Gartenkugel erinnert. Beim weiteren Betrachten des Baumes scheint er sich in eine weißgekleidete Jungfrau zu verwandeln. Ich stelle fest, daß immer, wenn ich den Baum lange anstarre, dieses passiert. Das muß so eine Art Krankheit sein. Merkwürdig.
Bemerkung: Im gestrigen Traum kam ebenfalls ein Weihnachtsbaum im Büro vor. Ich hoffe, ich träume jetzt bis Weihnachten nicht ständig von Weihnachtsbäumen. Im Bett las ich gestern in Werfels Lied von Bernadette und muß mitten bei der dritten Erscheinung der Jungfrau eingeschlafen sein, aber so, daß ich noch das Licht gelöscht und das Buch beiseite gelegt habe, ohne mich daran erinnern zu können.
Gestern zeigte ich dem Physiotherapeuten, wie ich in meinem Bett nächtige. Der meinte darauf bloß: "Wie kann man denn SO schlafen? Und das die ganze Nacht?" Die letzte Nacht sollte nun die erste sein - in der ich mir das abgewöhne. Das Ergebnis war scheußlich, aber ich erinnere mich undeutlich, daß ich im Traum mit meiner verstorbenen Großmutter mütterlicherseits an einem Tisch saß und sie mir eine alte, geheimnisvolle Geschichte über mich aus meiner Kindheit erzählte, welche ich selbst noch nicht kannte. Natürlich habe ich die Geschichte vergessen.
Ich wohne wieder im Kinderzimmer meines Elternhauses und muß im Bett bleiben, da ich krank bin. Mir ist langweilig und ich überlege, mit welchem Buch ich mir die Zeit vertreibe. Sofort fällt mir "Verbotene Archäologie" ein. Das liest sich bestimmt schnell und spannend und ich habe es wahrscheinlich in ein bis zwei Tagen durch. Plötzlich dringt lautes Herumgeschreie durch die Tür. Oje, meine Eltern fetzen sich wieder, daß sich die Balken biegen und das Gebrüll meines Vaters ist wie gewohnt sehr lautstark. Eigentlich meine ich mich zu erinnern, daß er beerdigt wurde und in einem Sarg liegt, aber das wird wohl nur ein Traum gewesen sein. Das hier ist die Wirklichkeit und mein Vater nicht zu überhören. Für einen kleinen Moment tut es mir leid, daß er doch noch lebt. Irgendwie war es so ruhig und harmonisch, als er nicht da war. Ich gehe hinaus, um zu schauen, was los ist. Mein Vater steht im Nachthemd und nimmt sein ganzes Bett auseinander, weil ihn etwas an dessen Standort mißfallen hat. Er wirkt sehr munter, gesund und agil, allerdings fallen mir seine Haare auf. Sie sind ungewohnt lang, so wie er sie sonst nie getragen hat.
Zurück im Zimmer höre ich Radio. Es beginnt eine Lesung und zu meinem Erstaunen muß ich feststellen, daß die Vorlesende den Titel meines Romans ankündigt. Ohhh, na sowas, die lesen meinen Roman in Bayern 3! Die ersten Sätze klingen irgendwie anders als ich sie in Erinnerung habe. Aber vielleicht lesen sie nicht den ganzen Text, sondern nur eine Leseprobe, die irgendwo herausgenommen wurde. Zum einen freudig überrascht, ist es mir auch ein wenig peinlich und ich denke bei mir, daß sich sicher Hörer beschweren werden, wie man so eine hirnrissige Geschichte im Radio lesen kann. Und da - die Übertragung wird auch schon nach ein paar Sätzen unterbrochen. Wahrscheinlich kam der erste Anruf. Doch dann höre ich die Ankündigung der Nachrichten von SFB 3. Aha. Also lag es wohl nur daran, daß der Kanal von einem anderen Sender übernommen wurde.
Ein ausgedehnter Hügel mitten in der Stadt, auf ihm ein großes Tiergehege. Es scheint eine Art kleiner Tierpark zu sein und ich überlege, wo ich bin, denn in Berlin würde mir so ein Ort nicht einfallen. Langsam steige ich den Hügel neben dem Zaun hinauf, da entdecke ich in der Ferne, da wo der Hügel am höchsten ist, einen Affen frei neben einem Haus lehnen und auch noch ein paar andere Exemplare, die frei herumlaufen. Das ist aber ein seltsamer Tierpark, der die Tiere aus dem Gehege läßt. Soll ich jetzt weiter hinaufgehen? Lieber nicht. Sind zwar nur Affen, aber darauf, daß sie mich anspringen, habe ich trotzdem keine Lust. Noch unschlüssig, rennen die Affen plötzlich kreischend und "im Affenzahn" den Hügel hinunter an mir vorbei. Herrjemine, die sind ja richtig wild. In einiger Entfernung und möglichst unauffällig renne ich ihnen hinterher, aber nicht um sie einzuholen - ich achte immer auf gehörigen Abstand -, sondern um, unten angekommen, wieder zu verschwinden, möglichst ohne die Affen auf mich aufmerksam zu machen.
In einer großzügigen alten Wohnung, meine Wohnung. Ich meine mich zu erinnern, daß hier die verstorbene Freundin meiner Mutter gelebt hat und ich nach ihr in die Wohnung eingezogen bin. Doch irgendetwas stimmt nicht. Das kann nicht ihre Wohnung sein. In ihrer Wohnung gab es eine Treppe am Eingang innerhalb des Korridors. Diese fehlt hier. Ah, dann bin ich wahrscheinlich nicht direkt in ihre Wohnung gezogen, sondern nur in eine innerhalb des gleichen Hauses.
Ein Hausflur mit gläserner Haustür. Ich mache mich gerade an einem Briefkasten zu schaffen, vor der Tür steht mein verstorbener Opa väterlicherseits und klopft aufgeregt gegen das Glas, um mir zu bedeuten, daß ich die Tür öffnen soll. Er trägt Hut und Mantel und ähnelt im Aussehen alten Fotos. Ich lasse mir allerdings Zeit, da ich erst den Briefkasten wieder schließen möchte. Mein Großvater wird leicht ungeduldig, doch als ich die Tür öffne schlüpft erst seine Frau, meine Großmutter, hindurch und läuft die Treppen hinauf. Sie trägt einen flotten Hut und ist im Stil der 20iger Jahre gekleidet. Außerdem sieht sie auch genauso jung wie damals aus. Eigentlich erkenne ich sie nur, weil ich Fotos von ihr aus dieser Zeit gesehen habe, denn persönlich kenne ich sie nicht in diesem Alter. Deshalb rufe ich ihr einigermaßen überrascht hinterher: "Du siehst aber jung aus!"
Durch irgendeinen Spruch animiert, möchte ich gerne versuchen, ob ich meinen Fuß hinter den Kopf bekomme. Und ja, es geht ganz einfach - jetzt hängt mir sogar schon meine Kniekehle im Nacken, als würde mein Bein über dem Nacken baumeln. Aber die Kniekehle im Nacken? Das kann irgendwie nicht ganz richtig sein. Ich sollte es beim Fußgelenk belassen. Langsam ziehe ich das Bein deshalb wieder zurück, bis nur noch der Fuß den Hals berührt.
Eine riesige Eisdecke begrenzt von einer Mauer. Zwar sind viele Menschen darauf und doch traue ich ihr nicht. Gehe lieber direkt an der Mauer entlang, um sie zu überqueren. Auf der anderen Seite erwarten mich labyrinthartige Räume.
Gemeinsames Fernsehen mit einer Freundin. Anscheinend ist sie Ärztin und als sie merkt, daß ich wegen Rückenschmerzen kaum noch sitzen kann, sagt sie nur: "Zeit für das doppelte Wort." Das doppelte Wort? Ah, sie meint Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Doppelt wohl deshalb, weil man es zweimal schreibt.(?)
Eine Gefängnisfestung ähnlich Alcatraz. Ich habe jemanden hineingeschmuggelt, der kein Gefangener ist, den ich aber in einem extra abgeschlossenem Zimmer verstecke (A.). Anscheinend betritt nie jemand dieses Zimmer. In der Festung läuft außerdem noch eine fanatische Gruppe von christlichen Frauen herum, welche hellblaue Gewänder und seltsam geformte hellblaue Hauben tragen. Sie führen ständig irgendwelche Reden über Gott, Sünden und so weiter. Ich habe mich allerdings so gut getarnt, daß sie mich in Ruhe lassen. Im versteckten Zimmer halte ich nun eine Schachtel mit eingeschäumten Schmuckstücken in der Hand. Und ich esse diese Schmuckstücke, dazu ist wohl der Schaum ringsherum, damit sie besser rutschen. Unter ihnen auch ein silbernes Kruzifix an silberner Kette. Gerade will ich es ebenfalls essen, da fällt mir ein, daß es ein Geschenk und Erinnerungsstück ist, welches ich wahrscheinlich nie wieder sehe, wenn ich es esse. Deshalb lasse ich es. Mir gegenüber am Tisch sitzt jetzt mein Vater und schaut neugierig auf die Sachen in der Schachtel. Er fragt irgendwas, kann aber wohl nicht richtig reden, da er einen Schlaganfall hatte. Vor uns läuft ein Film. Obwohl er mich nicht interessiert, bleibe ich sitzen und schaue ihn an, weil ich spüre, daß es mein Vater genießt bei mir zu sitzen, auch wenn wir nicht miteinander reden können. Also sitzen wir uns nur gegenüber und schauen den Film.
Gestern abend wollte ich noch ein wenig lesen, schlief aber schon nach zwei Sätzen tief ein, um erst nach anderthalb Stunden vom Licht wieder wach zu werden (ca. 2:15 h). In dieser Zeit träumte ich das erste Mal nach seinem Tod von meinem Vater:
Ich befinde mich an einem Ort, der an meinen früheren Hof und Kinderspielplatz erinnert, aber doch irgendwie anders ist. Ich bin darauf mit allen möglichen Dingen beschäftigt, insbesondere auch mit seltsamen, schwarz-braunen Tieren, die mit ihren zwei langen Zähnen vorne Biber ähneln. Sie sind mir unheimlich und unangenehm, was mich aber nicht davon abhält, sie zu dressieren und im Befehlston wie Hunde hin und her laufen zu lassen. Im Prinzip mache ich das, um sie gar nicht erst auf dumme Ideen kommen zu lassen und sie zu beschäftigen. Das lenkt von mir selbst ab. Während ich also alles mögliche treibe, fühle ich mich plötzlich beobachtet und wende meinen Blick zu einem kleinen Haus hinter dem Zaun des Kinderspielplatzes. Es erinnert von der Lage und Größe her an das Küsteramt, hat aber eine schwarze Fassade und auch hinter der großen Fensterscheibe ist es schwarz und kein einziges Licht zu sehen. Nur ein kaum wahrnehmbares Gesicht ist hinter dem Fenster als hellerer Fleck zu erkennen. Es schaut zu mir herüber und beobachtet mich. Sofort weiß ich, daß es mein Vater ist. Er ist auf irgendeine Art in dieses Haus eingeschlossen, nicht so, daß die Tür verschlossen wäre, aber so, daß er es trotzdem nicht verlassen kann. Es ist mehr wie eine Art Bann oder etwas, was in ihm selbst liegt. Deshalb steigt er jeden Tag traurig auf dünnen Beinen eine kleine Stiege hinauf und setzt sich an das Fenster, weil von dort das einzige bißchen Licht hereinfällt. Allerdings muß er sich sehr nah an das Fenster setzen, denn das Licht reicht nicht weit in die Dunkelheit des Hauses hinein. Von dort beobachtet er den Hof und anscheinend auch mich. Mein Gewissen sagt mir, daß ich eigentlich in das Haus hineingehen und mich um ihn kümmern müßte. Andererseits möchte ich nicht in dieses Haus. Es ist so dunkel und trostlos. Selbst hineinzugehen wäre aber die einzige Möglichkeit, wenn er nicht hinauskann. Immer noch mit meinem Gewissen kämpfend, fällt mir plötzlich siedend heiß ein, daß ich geweint habe und er es wahrscheinlich gesehen hat. Das finde ich deshalb so erschreckend, weil ich denke, daß es seine Situation noch verschlimmert, egal ob es um ihn ist oder wegen etwas anderem, denn das weiß er ja nicht, wenn er mich nur aus der Ferne beobachten kann - und das möchte ich auf keinen Fall. Ich darf künftig keinesfalls mehr weinen.
Nach dem erneuten Einschlafen träumte ich von einem Glockenturm und großen gußeisernen Glocken, welche eine Art Griff oder Halterung in Form eines Schriftzuges hatten. Ich entzifferte den Namen seiner früheren Gemeinde und Kirche.
Bemerkung: Nicht gerade ein Traum, der beruhigt.