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Sonntag, 7. September 2008

Es war einmal ein Schmetterling, der die Farbe seiner Flügel verloren hatte

Freitag-Nachmittag im Büro. Ich könnte nach Hause gehen, möchte aber Zeit aufbauen und freitags ist das am besten, weil man da (normalerweise) seine Ruhe hat. Noch stehe ich mit einigen anderen Kollegen zusammen. Im Prinzip ist schon Feierabend und niemand hat mehr Lust etwas zu tun. Da kommt der Leiter aus einem anderen Haus, Hr. B., und nennt den Namen Ch., er möchte wissen, wer diesen Klienten hat. Anscheinend steht dieser außerhalb der Sprechzeit auf der Matte. Ich habe zwar das C, aber keinen Ch., weshalb ich auf die Frage nicht reagiere. Hr. B. schaut mich jedoch ständig so an, als müßte ich es sein. Bin ich aber nicht. Und überhaupt sollte ich mich schnell aus dem Staub machen, gehe aber nur in meinen Büroraum zurück. Auch hier gibt es immer noch etwas zu tun, denn es wird nach der Beihilfe für eine Frau L. gefragt. Diese ist behindert und erhält regelmäßig einen Karton voll bestimmter Bilder. Wozu sie diese bekommt, ist mir schleierhaft, vielleicht sammelt sie die. In einer Ecke finde ich den Karton und schaue neugierig hinein. Die Bilder sind von einer Größe wie Dias und in länglichen Stangen verpackt. Eine ist auf einer Seite bereits geöffnet. Auf dem ersten Bild sieht man eine Menschenmenge und überrascht stelle ich fest, daß mein Gesicht darunter ist. Das bin doch ich? Ja, eindeutig. Auch auf den anderen Bildern bin ich zu sehen, wie seltsam. Vielleicht sind dies ja Bilder, die automatisch an einer Stelle das Abbild des Betrachters zeigen. Plötzlich kracht die Tür auf und mein oberster Chef mit einigen anderen Leitern stürzt herein. Schnell verstecke ich die ausgepackten Bilder, denn den Karton hätte ich sicher nicht aufmachen dürfen. Anscheinend ist irgendein Klient bei dem Chef und dieser fragt nach einer Stellenliste. Ich bin außer den Chefs die einzige im Büro, die anderen Schreibtische sind verlassen. Wo soll diese Liste sein? Ich zucke erst ahnungslos mit den Achseln, doch dann fällt mir etwas ein. Zu einem bestimmten Schrank gehend, finde ich sie auf Anhieb und reiche sie dem Chef. Dieser ist erst erfreut, was sich aber sofort ändert, als er auf das Datum schaut. "Die ist ja noch vom soundsovielten und nicht weitergeführt!" Seine Stimme klingt vorwurfsvoll, aber den Schuh ziehe ich mir nicht an. Schließlich ist das nicht meine Aufgabe. Frech sage ich deshalb: "Aber immerhin habe ich sie gefunden."

Kurz vor dem Aufwachen höre ich den Beginn einer Geschichte: Es war einmal ein Schmetterling, der die Farbe seiner Flügel verloren hatte...

Bemerkung: Nach dem Geschichtenbeginn habe ich gegoogelt und es gibt erstaunlich viele Geschichten, die mit "Es war einmal ein Schmetterling" beginnen, aber keine mit diesem Satz. Was macht ein Schmetterling, der die Farbe seiner Flügel verloren hat?
Ich bin mir nach dem ersten Traum irgendwie ziemlich sicher, daß ich heute Dias bekommen werde.

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~Ich träumte, ich sei ein Schmetterling, hin und her flatternd, mit allen Absichten uns Zielen eines Schmetterlings. Plötzlich erwachte ich, und lag da wieder ich selbst. Nun weiß ich nicht, war ich ein Mensch, der träumte, er sei ein Schmetterling, oder bin ich ein Schmetterling, der jetzt träumt, er sei ein Mensch?~ (Tschuangtse, chinesischer Philosoph)

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Zuletzt aktualisiert: 30. Dez, 23:05

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